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Eine Fiktion?
Eine Wirklichkeit?
Eine Utopie?
Will sagen: eine nur in der Vorstellung existierende Bibliothek
oder: eine konkret sich zeigende Darstellung einer Bibliothek
oder: eine vom Betrachter zu füllende Bibliothek, mittels seines Wissens, seiner Phantasie, seiner Ausdruckskraft – angeregt von den konkret vorzufindenden Bucheinbänden, den fiktiven Titeln …
So schösse diese dreifach gefächerte Auslegung Fiktion – Wirklichkeit – Utopie zu einem Wesen zusammen, wäre der Punkt erreicht, an dem Kunst und Leben ineinander aufgingen, ein Stück Traum der Menschheit … Aber ein Stück Realität?
Bücherberge, so hoch, dass kein Buchhändler, kein Bibliothekar alle Neuerscheinungen auch nur eines Jahrgangs lesen könnte. Dazu Leseunlust. Konzentrationsschwäche – man weiss nach einer halben Stunde nicht mehr, was man freiwillig/unfreiwilig mit Interesse/mit dem Gähnen der Langeweile gelesen hat. Bücher als Statussymbol, so und so viele Kubikmeter Bücher müssen an der Wand stehen. Oder auch Bücher im Keller, nach einmaligem Lesen dort abgelegt, weil der ästhet die Verschiedenheiten von Grösse und Farbe der Einbände nicht erträgt, dieses ›Unordentliche‹ der meisten Bibliotheken. Das alles ist auch dabei, mit einem gehörigen Schuss Ironie.
Doch sind die wichtigen Triebfedern auch für diese spröde Kunst Angst und Liebe. Die Angst vor dem grossen Verschwinden des »Kunstwerkes Buch«, vor dem Verlust, der eine entsetzliche Leere hinterliesse. Und nur der Liebende hat Angst vor einem Verlust.
Eugen und Renate Thiemann
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